Fenster des Gedenkens

  • © Axel Springer AG
Ida Siekmann |1:53 Min

Ida Siekmann – Das erste Todesopfer an der Berliner Mauer

Ida Siekmann lebte in der Bernauer Straße 48 in Berlin-Mitte. Wie alle Gebäude auf der südlichen Straßenseite lag ihr Wohnhaus im Ost-Berliner Bezirk Mitte. Der Gehsteig vor der Haustür aber gehörte bereits zum West-Berliner Bezirk Wedding. 

Als die SED-Führung die Sektorengrenze am 13. August 1961 vollständig abriegeln ließ, war die 58-Jährige plötzlich vom anderen Teil der Stadt abgeschnitten. 

Viele Bewohner von Grenzhäusern entschieden sich spontan zur Flucht. Dies war zunächst noch durch einen Gang aus der Haustür möglich. Doch seit dem 18. August wurden die Eingangstüren zugenagelt oder vermauert und durch neue Zugänge über die Höfe ersetzt. In ihrer Not sprangen zahlreiche Bewohner aus dem Fenster oder seilten sich ab, um in den Westen zu entkommen. Auf dem Gehweg versuchte die West-Berliner Feuerwehr, die Flüchtlinge mit Sprungtüchern aufzufangen und so vor Verletzungen zu bewahren. 

Am 21. August 1961 musste auch Ida Siekmann erleben, wie die Tür ihres Hauses verbarrikadiert wurde. Früh am nächsten Morgen warf sie Habseligkeiten aus dem Fenster ihrer Wohnung im dritten Stock. Dann sprang sie hinterher. Bevor die West-Berliner Feuerwehr ihr mit einem Sprungtuch zu Hilfe kommen konnte. Möglicherweise hatte Ida Siekmann Angst, entdeckt zu werden. Beim Aufprall zog sie sich schwere Verletzungen zu. Auf dem Weg in das nahe gelegene Lazarus-Krankenhaus verstarb sie – einen Tag vor ihrem 59. Geburtstag.

Im Westteil der Stadt löste das Ereignis eine Welle der Empörung aus. Es war der erste Todesfall an der Berliner Mauer. Anwohner und Passanten waren erschüttert, die Presse berichtete ausführlich darüber. Nach einer offiziellen Trauerfeier wurde vor dem Haus in der Bernauer Straße 48 ein Kranz niedergelegt. Er trug die Aufschrift: „Dem Opfer der Unfreiheit“. Nur wenige Tage später wurde an dieser Stelle ein Denkmal errichtet – für Ida Siekmann.